28. August 2015

Buchvorstellung: The Battles for Monte Cassino - Then and Now


Meine erste Bücherschrank-Vorstellung war der Osprey-Campaign-Band über die Cassino-Schlachten gewesen. Ich hatte das Buch ausgewählt, weil die meisten von Euch die Osprey-Reihe kennen und sich daher für das Buch interessieren.

Als zweites Buch möchte ich Euch "The Battles for Monte Cassino - Then and Now" von Jeffrey Plowman und Perry Rowe vorstellen. Das Buch ist bei After the Battle in England erschienen. Ich glaube, wenn ich mich für ein Buch entscheiden müsste, dann wäre es definitiv dieses hier! Das Buch ist mit seinen 408 Seiten und über 1.000 Bildern ein einzigartiger Schatz.

After the Battle ist ein englischer Verlag, der ein gleichnamiges Magazin und auch eine ganze Reihe von Büchern herausbringt. Das Besondere an den Publikationen ist die Gegenüberstellung von historischen Fotos mit denen von heute. Dabei gelingt es den Autoren meistens, eine nahezu gleiche Kameraperspektive einzunehmen, so dass man tatsächlich die Bilder "then and now" vergleichen kann. Dazu ist natürlich eine  Menge Recherche und Einsatz erforderlich. Und das merkt man an dem Band über Cassino ganz besonders.

Jeffrey Plowman und Perry Rowe sind zwei Neuseeländer, die in jahrelanger Arbeit in Archiven und während ihrer Besuche vor Ort eine unglaubliche Menge an Bildern, Karten und Informationen zusammengetragen haben. Das Buch gliedert sich in acht Teile:

Teil 1 gibt eine Einführung in den Kriegschauplatz Italien von der Landung in Sizilien bis zum Erreichen des Volturno. Danach gehen die Autoren auf die Rettung der Kunstschätze des Klosters ein und geben in zahlreichen Bildern einen Eindruck von der Stadt vor der Zerstörung.

In Teil 2 schildern sie die ersten Angriffe der Engländer und Amerikaner auf die Gustav-Linie. Das Desaster der 36. (US) Inf. Div. am Rapido wird über mehrere Seiten beschrieben, bevor sie in Teil 3 dann auf die erste Schlacht eingehen. Auch in diesem Buch beginnt - abweichend von der üblichen Gliederung - die erste Schlacht mit dem Angriffen des CEF und der 34. (US) Inf. Div.

In den Teilen 4 bis 6 folgen dann auf über 220 Seiten die weiteren Schlachten.


Die Seiten, die ich Euch hier als Beispiele zeige, geben die Vielfalt der Illustrationen wieder: es gibt kurze Portraits von Soldaten (auf dem folgenden Bild von Angehörigen der 1. Fallschirmjägerdivision), alle Bilder sind mit einem Text erläutert und geben weiterführende oder ergänzende Informationen zum eigentlichen Haupttext.


Karten runden das Ganze ab:


Oder auch sehr detaillierte Order of Battle-Aufstellungen, die sogar Kommandeure auf Bataillons-Ebene erwähnen oder an anderer Stelle eine Listen mit Ritterkreuz-Verleihungen an Soldaten der 1. Fallschirmjäger-Division.



In Teil 7 und 8 gehen Plowman und Rowe dann noch auf die Ereignisse nach dem Durchbruch durch die Gustav-Linie ein und enden ihre Beschreibung mit der Einnahme von Rom.


Großartig ist am Schluss auch das umfangreiche Bildquellenverzeichnis und der elfseitige Index, der einem das Auffinden von Orten, Personen und Einheiten erleichtert.


Das Buch ist für mich mittlerweile zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk geworden und immer wieder bin ich erstaunt über den Umfang und die Details. Ich kenne kein anderes Buch, in dem man so viele historische Fotos und Informationen finden kann. Die Materialfülle macht das Ganze sicherlich manchmal auch etwas unübersichtlich, allerdings hat mich der Index so gut wie nie im Stich gelassen. Grundsätzlich würde ich das Buch nicht unbedingt zum Durchlesen empfehlen, sondern es als Foto- und Materialsammlung und als Referenz nutzen. 

Beim Lesen und Durchblättern bekommt man natürlich immer wieder Lust, selbst die Plätze aufzusuchen, an denen die Fotos entstanden sind. Wenn man die Bilderläuterungen von Plowman und Rowe liest, bekommt man einige wertvolle Tipps, was sich lohnt und womit man rechnen kann oder muss. So großartig das Buch für die Planung ist, so wenig geeignet ist es allerdings, es mit auf die konkrete Entdeckungs- und Erkundungstour zu nehmen: es ist einfach vom Format her zu groß und zu schwer.

Also, wenn ihr Euch für Cassino interessiert: dies Buch hier ist ein absolutes Muss! 

The Battles for Monte Cassino - Then And Now.
Jeffrey Plowman / Perry Rowe. After the Battle, 2011
Das Buch kostet auf der AtB-Seite 44,95 GBP, ist aber bei einigen Online-Händler auch günstiger zu bekommen...

PS:
Perry Rowe kann man übrigens auf Facebook kontaktieren:
https://www.facebook.com/perry.rowe.92?fref=ts
Jeff Plowman hat eine eigene Webseite:
http://kiwisinarmour.hobbyvista.com/



25. August 2015

Wojtek - The Soldier Bear (Video)

Ich möchte mit Euch ein kleines Video teilen. Es ist Marianna Raskin's Abschlussprojekt  am Shenkar College of Engineering and Design in Ramat Gan, Israel und erzählt die Geschichte von Wojtek, dem Soldatenbären. Ich werde bestimmt später einmal einen Post über Wojtek schreiben und seine unglaubliche Geschichte etwas genauer erzählen. Doch erst einmal dieses Video hier.


Wojtek - The Soldier Bear from marianna on Vimeo.

14. August 2015

Buchvorstellung: Cassino 1944 - Breaking the Gustav Line (Osprey Campaign)

Es ist ja eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal einen Artikel hier im Blog gepostet habe. Mein Interesse hat sich seitdem sehr auf die Cassino-Schlachten verlagert. 2013 und 2014 war ich vor Ort, um mir das Schlachtfeld anzusehen und hatte dabei einige sehr interessante Entdeckungen und Begegnungen. In diesem Jahr werde ich zum dritten Mal nach Cassino fahren. Mittlerweile habe ich so einige Bücher zum Thema in meinem Schrank stehen und möchte Euch ein paar davon in der nächsten Zeit vorstellen.

Den Anfang mache ich mit "Cassino 1944 - Breaking the Gustav Line" von Ken Ford. Das Buch ist bei Osprey Publishing in der Campaign-Reihe erschienen.


Das Buch ist ein typisches Osprey-Campaign-Heft: mit knapp 100 Seiten folgt es der üblichen inhaltlichen Struktur, den Leser der Osprey-Reihe kennen (Origins, Chronology, Opposing Commanders, Opposing Armies, Plans, sowie der Beschreibung der vier Cassino-Schlachten). Ken Ford ist Autor von etwas mehr als 20 Osprey-Publikationen. Alle seine Bücher beschäftigen sich mit dem Zweiten Weltkrieg. Howard Gerrard gehört zu den bekanntesten Osprey-Illustratoren und hat für den Band die doppelseitigen Bilder gezeichnet und koloriert.


Die Stärke der Osprey-Campaign-Bände besteht sicherlich in der Zusammenstellung von Fotos, Karten und Text, die dem Leser schnell das Wesentliche einer Kampagne oder Schlacht vermitteln sollen. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Sammlern der verschiedenen Osprey-Reihen, die damit dann eine sehr umfassende Bibliothek zum Thema Militärgeschichte haben.


Besonderes Feature in diesem Band sind drei 3D-Karten, die eine Menge Informationen auf einen Blick liefern. Dadurch werden sie aber auch etwas unübersichtlich und man braucht etwas, um sich in die Karte "einzulesen", insbesondere jemand, der sich zum ersten Mal mit Cassino beschäftigt. Ein sehr ärgerliches Detail ist der - für Osprey-Bände typische und gut gemeinte - Druck über eine Doppelseite. Die Karten sind durch den Bundsteg getrennt und manches bleibt dabei verdeckt oder verzerrt. Die drei Karten in diesem Band sind:
  1. II Corps Attack 24. Jan - 12. Feb
  2. Third Battle 12. - 19. March
  3. Polish II Corps captures the Monastery 11. - 18. May
Die anderen Schlachtabschnitte sind mit "normalen" Karten gut illustriert.

Howard Gerrard hat die drei farbigen Illustrationen in dem Band gezeichnet, die ebenfalls über zwei Seiten gedruckt sind:
  1. American Infantry and Tank Attack across the Rapido Valley (p 46/47)
  2. German Paratrooper defending Cassino Town (p 66/67)
  3. Polish Infantry fighting along Snakeshead Ridge (p 82/83)
Sie geben drei bekannte Ausschnitte aus den Kampfhandlungen wieder; ich finde sie künstlerisch und von der szenischen Darstellung her Geschmackssache und wenig beeindruckend. Niemand wird sich jedoch das Buch deswegen kaufen (obwohl die 3D-Karten und die Illustrationen auf der Rückseite von jedem Osprey-Band angepriesen werden und diese ein typisches Osprey-Zeichen sind). Warum Gerrard als Panzerfahrzeug nicht das bekannte Sturmgeschütz ausgewählt hat, sondern einen PzKw IV ins Bild setzt, ist merkwürdig: das StuGIII sieht man recht oft auf Bildern aus der dritten Cassino-Schlacht, während die Tatsache, dass es noch einen weiteren Panzer gab - tatsächlich einen PzKw IV - echtes Spezialisten-Wissen ist.


Mit dem PzKw IV liegt Osprey hier also richtig, allerdings haben sich in den Band ein paar Fehler und Nachlässigkeiten eingeschlichen, die man nur dann erkennt, wenn man sich schon ein wenig in die Materie eingelesen hat. Und das ist zugegebener Maßen beim Thema Cassino nicht ganz so einfach.

Positiv an dem Band finde ich, dass Ken Ford hier ein guter Gesamtüberblick über die Cassino-Schlachten gelingt und er sie im Kontext mit der Landung bei Anzio beschreibt. Allerdings führt das Format der Campaign-Reihe dazu, dass die Komplexität der Ereignisse verkürzt und hin und wieder missverständlich wiedergegeben wird. Auch das wird nicht jedem auffallen, geschweige denn stören. Die vier Cassino-Schlachten mit einer Dauer von vier Monaten in einem einzigen Campaign-Band zu beschreiben, wird letztlich allerdings dem Ablauf und der Bedeutung der Schlachten nicht gerecht (für den D-Day hingegen gibt es in der Campaign-Reihe vier Bücher für die einzelnen Strandabschnitte).

Leider offenbart der Band bei näherer Betrachtung, wie bereits erwähnt, Schwächen und Fehler: so sind die Order of Battle für Cassino und Anzio in einer Aufstellung zusammengefasst, unvollständig und zeitlich nicht gegliedert; dadurch bleibt die Reihenfolge, wie die einzelnen Verbände in das Schlachtgeschehen eingegriffen haben, unberücksichtigt und der Nutzen begrenzt. Fehler bei den Kommandeuren gibt es zudem auch (bei der 44. Inf. Div. wird fälschlicherweise Bayer als Kommandeur genannt). Die Tatsache, dass das Polish II Corps komplett in der Aufstellung fehlt, kann man nur als unerklärliche Nachlässigkeit bezeichnen.

Ken Ford beginnt die Beschreibung der ersten Schlacht mit der Offensive des II Corps und des Corps Expéditionnaire Français (CEF) und verlagert die tragische Offensive der 36. Inf. Div. und des Britischen Korps vor den Beginn der ersten Schlacht und folgt damit nicht der üblichen Gliederung der Abläufe. Die gestaffelte Offensive, mit dem Britischen Korps am linken Frontabschnitt bis hin zu den Franzosen am rechten Abschnitt, IST letztlich die erste Schlacht von Cassino. Hier schafft Ford unnötige Verwirrung in einer sowieso schon schwer zu durchschauenden Kampagne.

Sehr gut ist dann die Einordnung der Landung bei Anzio am 22. Januar 1944 im Zusammenhang mit den Ereignissen im Kampfraum Cassino. Die erste Cassino-Schlacht beginnt bei Ford mit der Offensive der 34. (US) Inf. Div. nördlich der Stadt und wird ergänzt durch die Beschreibung des Ausbruchsversuchs der Alliierten bei Anzio.

Auch wenn die Entscheidung für die Bombardierung des Klosters verkürzt dargestellt werden, so ist der Verlauf doch genau genug wiedergegeben, um das Unglück und die Tragik zu erfassen, die in der zweiten Cassino-Schlacht liegen. Ebenso kann man das Chaos und das verbitterte Ringen um die Ruinen der Stadt in der dritten Schlacht nachvollziehen.

Bei der Operation DIADEM in der vierten Schlacht wird die Rolle des CEF nicht ihrer Bedeutung entsprechend dargestellt: weder im Positiven, was den eigentlichen Durchbruch durch die Gustav-Linie angeht (immerhin der Untertitel des Bandes!), noch im Negativen: die sogenannte "Marocchinate" - die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung und die Massenvergewaltigungen - werden nicht einmal erwähnt. Auch Clarks fatale Entscheidung, seine Truppen auf Rom zu lenken, um vor der anstehenden Landung in der Normandie für sich noch einen Publicity-Erfolg zu erzielen, und die es den Truppen der deutschen 10. Armee ermöglichte, der Einkesselung zu entgehen, wird viel zu harmlos und nüchtern dargestellt.

Mein Fazit: Das Buch eignet sich eher Sammler der Campaign-Reihe, die sich im typischen Osprey-Stil die wichtigsten Ereignisse anlesen wollen und dabei den ein oder anderen Fehler in Kauf nehmen. Sicherlich kann man den Band auch gut bei einem Besuch auf dem Schlachtfeld dabei haben, um die Karten als Erinnerungsstütze nutzen. Für diejenigen, die sich näher mit Cassino beschäftigen wollen, gibt es andere - und bessere - Bücher.

Cassino 1944 - Breaking the Gustav Line. Campaign 134. 
Osprey Publishing, 2004.
Ken Ford - Illustrated by Howard Gerrard. 98 Seiten, GBP 14,99