28. Juli 2013

Ernie Pyle - Kriegsberichterstatter


In der Dokumentation “The War” von Ken Burns habe ich das erste Mal von Ernie Pyle gehört. Hierin werden - immer wieder eingestreut - kurze Passagen aus Pyles Kolumnen zitiert. Der Name war mir bis dahin unbekannt und ich war überrascht, wie populär und beliebt Ernie Pyle bei seinen Lesern, aber vor allem auch bei den amerikanischen Soldaten des WW2, war. In seinem Leben verbindet sich eine Menge an persönlicher Tragik mit dramatischer Zeitgeschichte und es ist schade, dass sein Name immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint.


Ernest Taylor Pyle wird am 3. August 1900 in Indiana (USA) geboren und studiert kurz nach dem Ersten Weltkrieg Journalismus an der Indiana University in Bloomington. Entweder aus enttäuschter Liebe oder wegen des Jobangebots einer Zeitung aus La Porte, Indiana, verlässt Pyle ein Semester vor dem Abschluss die Uni und beginnt mit 22 Jahren seine Karriere als Zeitungsreporter. Doch bereits drei Monate später geht er nach Washington, weil ihm dort ein besser bezahlter Job bei der “Washington Daily News” - einem Blatt der Scripps-Howard Verlagsgruppe - angeboten wird. In Washington lernt er auf einer Party Geraldine “Jerry” Siebolds kennen, die er 1925 heiratet: eine psychisch labile Frau, mit der Ernie trotz mehrmaliger und langer Trennungen bis zu seinem Tod eng verbunden ist.

1926 kündigt Pyle bei der Zeitung und reist 10 Wochen lang zusammen mit seiner Frau in einem Wagen durch Amerika. Die beiden fahren 9.000 Meilen quer durchs Land, bis sie in New York hängenbleiben, weil ihnen das Geld ausgeht. Nach einem kurzen Gelegenheitsjob bei einer New Yorker Zeitung kehrt Pyle Anfang 1927 nach Washington zurück und fängt wieder bei der Daily News an.

Ab 1928 beginnt Pyle eine regelmäßige Kolumne über die Fliegerei, die sich seit Lindberghs Atlantikflug im Jahr zuvor zu einer lebhaften und stetig wachsenden Szene entwickelt. 1932 wird Pyle Redaktionsleiter bei der Daily News. Dafür muss er aus Zeitgründen seine beliebte Kolumne aufgeben, was die Fliegergemeinde um die berühmte Fliegerin Amelia Earhart schmerzt: sie schenken ihm eine Armbanduhr, die er für den Rest seines Lebens trägt.

Nach drei Jahren als Redaktionsleiter ist Pyle überarbeitet, gelangweilt und immer wieder krank; im Dezember 1934 nimmt er sich eine Auszeit und verreist. Als er danach wieder zur Arbeit zurückkehrt, übernimmt er für kurze Zeit die Vertretung für einen Kolumnisten. Seine Artikel über die Begegnungen während seiner Reise werden ein großer Erfolg. Ihm wird angeboten, als Kolumnist im Land umher zu reisen, mit der Vorgabe pro Woche sechs Artikel abzuliefern, die in der Daily News und 24 weiteren Zeitungen der Verlagsgruppe veröffentlicht werden. Sein Traum geht in Erfüllung: “I will go where I please and write what I please”. So bereist er in den nächsten 7 Jahren das ganze Land - und verschleißt dabei zwei Autos, fünf Reifensätze und drei Schreibmaschinen. Und es gibt noch einen weiteren “Preis” zu bezahlen: Pyle und seine Frau trinken gerne und viel und Jerry entwickelt zunehmend eine Abhängigkeit von Medikamenten und dem Alkohol und leidet offensichtlich an einer Depression. Während sich Pyle mit den Menschen unterhält, bleibt sie immer öfter in den Hotelzimmern und trinkt, liest und beschäftigt sich mit dem Lösen von Kreuzworträtseln. Der Süden der USA gefällt den beiden besonders gut und um einen festen Rückzugsort zu haben, kaufen sich die Pyles 1940 ein Haus in Albuquerque, New Mexico.


Mittlerweile ist in Europa Krieg. Nachdem Frankreich im Juni 1940 kapitulieren musste, kämpft England alleine gegen Nazi-Deutschland. Pyle entscheidet sich, trotz eigener Ängste und Bedenken, nach England zu gehen, um über die Situation im Land zu berichten. Er verlässt die Staaten am 16. November und erreicht London nach einem kurzen Zwischenstopp in Lissabon am 9. Dezember 1940. Hier erlebt Pyle am 29. Dezember den großen Bombenangriff auf die Stadt mit. Für seine Kolumne beschreibt er die Erlebnisse aus den Luftschutzanlagen, von den Flakständen und berichtet vom unerschütterlichen Willen der Bevölkerung, den Nazis die Stirn zu bieten.

Sein Verleger und seine Leser sind bewegt und begeistert. Ende März 1941 kehrt Pyle in die USA zurück, nachdem er Anfang des Monats erfahren hat, dass seine Mutter gestorben ist. In seinem Haus in Albuquerque schreibt er die letzten Artikel über seine Erlebnisse in England. Seiner Frau geht es immer schlechter, sie hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich und überlebt knapp eine Magenblutung. Pyle kümmert sich drei Monate lang intensiv um sie, ohne dass sich ihr Zustand entscheidend bessert. Er plant bereits eine Reise nach Asien, als der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 alle seine Pläne umwirft. Amerika befindet sich im Krieg.

Pyle spürt das Verlangen, über die Nation im Kriegszustand zu berichten und will nach Europa gehen. Im April 1942 lässt er sich von seiner Frau scheiden; er hofft, dies sei ein heilsamer Schock für Jerry, die sich tatsächlich für eine Zeit in einer Klinik behandeln lässt und eine Arbeit auf einem Armeeflugplatz in der Nähe annimmt. Im Juni 1942 verlässt Pyle die Staaten und fährt mit amerikanischen Truppen nach England. Statt der erwarteten Invasion über den Ärmelkanal geht es jedoch weiter nach Nordafrika. Pyle erreicht Oran (Algerien) am 23. November 1942 an Bord des Truppentransporterschiffs “Rangitiki”, zwei Wochen nach ersten Landung während der Operation Torch.


In England hatte er, aufgrund seiner Erfahrungen von früher, noch geplant, über das Fliegerkorps zu schreiben, doch hier in Nordafrika entsteht seine Sympathie und Identifikation mit dem einfachen Infanteriesoldaten, und die, der Soldaten mit ihm:
“I love the infantry because they are the underdogs. They are the mud-rain-frost-and-wind boys. They have no comforts, and they even learn to live without the necessities. And in the end they are the guys that wars can't be won without.” The God-damned Infantry, 2. Mai 1943 
Pyles Stil prägt auch in seine Beschreibungen des Krieges. Er interessiert sich nicht für die großen Pläne der Generäle, sondern für die Erfahrungen der normalen Soldaten: so wie er früher von auf seinem Roadtrip von ganz gewöhnlichen Menschen mit ihren Geschichten berichtet hat, so schreibt er nun von den täglichen Anstrengungen der kämpfenden Truppe. Er besucht verschiedene Einheiten und spricht ausführlich mit den Männern. Dabei teilt er auch ihre Entbehrungen und ihr beschwerliches Leben. Pyles sucht dabei nicht nach einer besonderen “Story”, macht sich kaum Notizen, sondern unterhält sich zwanglos mit den Menschen. Erst später schreibt er das Erlebte und seine Gedanken dazu auf. Und das Besondere: in seinen Kolumnen erwähnt er die Namen und die Heimatorte der Menschen, über die er erzählt und verleiht seinen Berichten damit etwas sehr Persönliches. Damit gibt er den Soldaten das Gefühl, dass ihre Anstrengung und ihr Leid wahrgenommen und den Menschen zuhause mitgeteilt wird; und den Lesern an der "Heimatfront" gibt er einen Eindruck von den Ereignissen und Erfahrungen der Angehörigen, die in Europa kämpfen.

Obwohl Pyle kaum Einschränkungen hat, wohin er fährt und wen er trifft, muss auch er seine Texte vor Weitergabe vom Militär überprüfen lassen. Grundsätzlich hat er damit wenig Probleme, doch ein Text, in dem er über im Kampf traumatisierte Männer schreibt, wird nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Im Februar 1943 heiraten Jerry und Ernie erneut, obwohl er in Europa weilt. Er hatte vor Abreise alles dafür vorbereitet, sollte sich Jerrys Verfassung bessern. Beide bleiben während seiner gesamten Zeit im Ausland über Briefe in Kontakt. Pyles Popularität wächst von Monat zu Monat: von November 1942 bis April 1943 steigt die Anzahl von Zeitungen, die seine Kolumnen veröffentlichen von 42 auf 122. Seine Kolumnen werden von 9 Millionen Menschen gelesen.

Im Juni 1943 geht er an Bord der USS Biscayne, die als Flagschiff einen Teil der Landung auf Sizilien koordiniert. In Briefen an seine Frau erwähnt Pyle, wie ihn das Gesehene und Erlebte verändert hat. Erste Erschöpfung macht sich breit. Nach den Kämpfen auf Sizilien braucht Pyle eine längere Pause und tritt am 7. September 1943 die Rückreise nach New York an. Vier Tage zuvor hat die Invasion des italienischen Festlandes begonnen.

In Amerika wird ihm schlagartig seine Bekanntheit und Berühmtheit bewusst: verschiedene Leute aus Zeitungskreisen, Armee und Politik wollen ihn treffen, interviewen, porträtieren, fotografieren oder seine Meinung hören. In seinem Haus in Albuquerque erwarten ihn eine Unmenge von Briefen seiner Leserinnen und Leser. Jerry hat erneut einen Zusammenbruch, vielleicht auch, weil Pyle sich entscheidet, zurück nach Europa zu gehen und von den Kämpfen in Italien zu berichten. Im November verlässt er die Staaten wieder und geht zurück an die Front.

Pyle mit Don Whitehead
In den italienischen Bergen toben erbitterte Kämpfe. Im Dezember 1943 versucht die 5. Armee unter General Clark durch die Enge von Mignano nach Norden durchzustoßen und trifft auf die Bernhardt-Linie, die von den deutschen Truppen hartnäckig verteidigt wird. Im barocken Palast der neapolitanischen Könige in Caserta, den die Generäle Mark W. Clark und Harold Alexander zu ihren Hautquartier gemacht haben, beschreibt Pyle den Krieg in den italienischen Bergen und seine Erlebnisse mit der 36. Infanteriedivision am Monte Sammucro. In Caserta wird deutlich, dass es Pyle immer schlechter geht. Die Ereignisse und Erlebnisse nehmen ihn immer mehr mit und er fängt an, zu trinken, um die Bilder von den Toten und Sterbenden zu verdrängen. Pyle ist erschöpft und niedergeschlagen und zweifelt an der Qualität seiner Texte. Einige seiner Entwürfe gibt er an Don Whitehead, den Associated Press Reporter, der ihn schon seit Nordafrika begleitet, um dessen Meinung einzuholen.

Pyle in Anzio
Whitehead liest die Artikel und ist besonders ergriffen vom Bericht über den Tod von Captain Waskow, einem Kompanieführer im 143. Infanterieregiment, der am 14. Dezember 1943 in den Bergen nahe San Pietro Infine fällt. Die Kolumne wird am 10. Januar 1944 in den USA veröffentlicht und ruft einiges Aufsehen hervor. Pyle steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Seine Kolummen erscheinen jetzt in in 200 Blättern und erreichen täglich 13 Millionen Leser. Um die Hundert Briefe kommen pro Woche in Italien an.

Ende Februar 1944 besucht Pyle die Truppen im Brückenkopf von Anzio. Aus geplanten fünf Tagen werden mehr als zwei Wochen. Der Brückenkopf ist ständiges Angriffsziel der deutschen Luftwaffe und Artillerie. Selbst in seiner Unterkunft in Nettuno, weit hinter der Frontlinie, liegen Pyle und die anderen Reporter unter Beschuss. Am 17. März wird das Haus bei einem Flugzeugangriff von einer Bombe getroffen. Pyle überlebt wie durch ein Wunder und bekommt durch herumfliegendes Glas nur leichte Kratzer ab. Während dieser Zeit in Anzio entstehen einige Bilder von Pyle, die man häufiger im Netz findet.

Pyle mit Sherman Crew (191 US Tank Bn)

Am 5. April verlässt Pyle schließlich Italien und erreicht Mitte des Monats England; er will über die geplante große Invasion in Frankreich, die Landung in der Normandie, berichten. Pyle erfährt von seinem Herausgeber Lee Miller, dass er für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen wurde. Miller wettet 100 $, dass Pyle den Preis gewinnt. Pyle selbst glaubt nicht daran, doch im Mai erfährt er von Don Whitehead, dass er tatsächlich den Preis erhalten hat. “Nie habe ich mich mehr über eine verlorene Wette gefreut,” sagt er daraufhin.

Mittlerweile laufen die Vorbereitungen für die Invasion auf Hochtouren. Von den über 500 Reportern in England bekommen nur 28 - unter ihnen Pyle - eine Akkreditierung. Omar Bradley, der Oberbefehlhaber der 1. US Army, lädt Pyle auf sein Kommandoschiff, die USS Augusta, ein - doch für Pyle ist auf dem Schiff “zuviel Lametta”. Er zieht es vor, “mit den Jungs zu reisen, die auf die harte Tour landen”. So besteigt er am 31. Mai das Landungschiff LST 392 mit dem Ziel Omaha Beach.

Omaha Beach am Tag nach der Landung
Omaha Beach wird der verlustreichste Landeabschnitt in der Normandie. Am Tag der Landung sterben fast 3.000 Männer, mehr als 7.000 werden verwundet. Die Verluste der ersten Welle betragen fast 90%. Am Tag danach wandert Pyle über den Strand und ist schockiert über die vielen Toten, die ausgebrannten Wracks von Panzern und Booten und die herrenlosen Ausrüstungsgegenstände, die an den Strand geschwemmt wurden. In den nächsten Tagen berichtet Pyle von den Kämpfen verschiedener Einheiten und erst Ende Juni gönnt er sich eine Pause in einem Pressecamp in Vouilly, zwischen Carentan und Bayeux. bevor er im Juli Augenzeuge der Kämpfe um Saint-Lô wird. Am 25. Juli 1944 bombardiert die amerikanische Airforce während der Operation Cobra die deutschen Verteidigungslinien, doch Einheiten der 4. Infanteriedivision liegen versehentlich in der Angriffsschneise. Pyle, der die Truppen begleitet, gerät mitten unten den Bombenteppich. Auch diesmal entkommt der “Old Indestructible” äußerlich unbeschadet, während mehr als 100 Soldaten umkommen und über 500 weitere verletzt werden.

Pyle in der Normandie
Der Durchbruch durch die deutschen Linien gelingt und einen Monat später erlebt Pyle mit französischen Soldaten die Befreiung von Paris. Seit dem Bombenangriff von Saint-Lô ist Pyle jedoch mit den Nerven am Ende. Er bezeichnet sich als “durcheinander” und glaubt, er drehe durch, wenn er noch einen Schuss höre oder einen weiteren Toten zu Gesicht bekomme. Er muss eingestehen, dass er dringend Ruhezeit braucht. Nach über einem Jahr und ca. 700.000 geschriebenen Wörtern verlässt er Europa. Doch auch auf seiner Heimreise will er den Jungs nahe sein: er kehrt an Bord eines Lazarettschiffs in die Staaten zurück.

Pyle ist der Meinung, einige Monate Auszeit würden ihn wieder in Ordnung bringen, um dann von dem “neuen Krieg” berichten zu können: den Kämpfen gegen die Japaner im Pazifik. Doch die Zeit in den Staaten ist alles andere als eine Erholung für Pyle. Seine Popularität ist seit dem letzten Aufenthalt weiter gestiegen und die Leute reißen sich mehr denn je um ihn. Die Arbeiten am Film “The Story of G.I. Joe” beginnen, der Leben und Arbeit von Pyle in Nordafrika und Italien zeigt und in dem Burgess Meredith den Kriegsreporter spielt, während Robert Mitchum als Anführer einer Einheit von Soldaten zu sehen ist.

Pyles Frau Jerry kommt mit dem Trubel nicht mehr zurecht und unternimmt einen weiteren Selbstmordversuch. Pyle ist hin- und hergerissen; die Soldaten alleine lassen, das käme ihm wie Verrat, wie eine Desertierung vor. Und so fährt er Ende Dezember 1944 nach Kalifornien, um sich mit den Truppen für den Pazifik einzuschiffen.

Die Marine ist stolz, Pyle dabei zu haben. Er bekommt einen offiziellen Begleiter und wird in dem besten Haus auf dem Militärstützpunkt auf Guam untergebracht. Von den Soldaten wird er um Autogramme gebeten. Doch Pyle hasst es, als Berühmtheit im Mittelpunkt zu stehen und er vermisst die G.I.s mit denen er in Nordafrika, Sizilien, Italien und Frankreich zusammen war. Mit der Navy und diesem Krieg, wie er im Pazifik stattfindet, wird er nicht warm. Pyle macht einen kurzen Abstecher zu einer Bomberstaffel auf Saipan und verbringt 3 Wochen an Bord der USS Cabot, einem kleinen Flugzeugträger, der zur Unterstützung der Landung auf Iwo Jima eingesetzt ist. Zurück auf Guam gibt es einige Auseinandersetzungen mit den Zensoren. Pyles Stimmung sinkt und er bekommt Angst, wenn er sich vorstellt, wieder in Kampfeinsätze verwickelt zu werden. Als die Invasion von Okinawa bevorsteht, verbringt er mehrere schlaflose Nächte. Er ist überzeugt, dass er getötet wird, wenn er erneut an einer Landeoperation teilnimmt. Schließlich entscheidet er sich, doch mitzufahren.

Am Ostersonntag, den 1. April 1945 landen über 180.000 Marineinfanteristen auf Okinawa, der letzten großen Insel vor den Hauptinseln von Japan. Pyle und die anderen Korrespondenten treffen anderthalb Stunden nach der ersten Welle am Strand ein. Es ist ruhig, es gibt kaum Verluste. Die Japaner haben sich ins Innere von Okinawa zurückgezogen und verschanzt. Hier wird es bis Ende Juni hinein brutale Kämpfe geben. Pyle verbringt zwei Tage auf Okinawa und kehrt dann an Bord zurück, um zu schreiben. Am 7. April plant er bereits, nach Hause zu fahren, als er von der bevorstehenden Landung auf Ie Shima hört: einer kleinen Insel, die westlich vor Okinawa liegt. Pyle bekommt erneut Todesängste und will erst auf die Insel, nachdem die ersten Landungen gelaufen sind. Am 12. April trifft dann die Nachricht vom Tod Präsident Roosevelts ein; ein großer Schock für alle an Bord und in der Truppe.

Ie Shima wird am 16. April angegriffen. Pyle kommt am Tag drauf auf die Insel und verbringt eine Nacht in einem ehemaligen japanischen Unterstand. Am nächsten Morgen bricht er in Begleitung von Lt. Col. Joseph B. Coolidge, dem Befehlshaber des 305. Infanterieregiments zu einer Erkundungstour auf. Die Fahrzeuge geraten unter Beschuss und Pyle wird von einer Kugel aus einem japanischen MG am Kopf getroffen. Er ist sofort tot. Ernie Pyle stirbt am Vormittag des 18. April 1945 im Alter von 44 Jahren. 

In seiner Tasche findet man einen Entwurf für eine Kolumne über “den Sieg in Europa”, in der er das sich abzeichnende Ende der Kämpfe vorwegnimmt und kommentiert. Sie wird Pyles letzte.
“And so it is over. The catastrophe on one side of the world has run its course. The day that it had so long seemed would never come has come at last. (...)
This is written on a little ship lying off the coast of the Island of Okinawa, just south of Japan, on the other side of the world from Ardennes. But my heart is still in Europe, and that’s why I am writing this column. It is to the boys who were my friends for so long. My one regret of the war is that I was not with them when it ended. For the companionship of two and a half years of death and misery is a spouse that tolerates no divorce. Such companionship finally becomes a part of one’s soul, and it cannot be obliterated. (...)
Last summer I wrote that I hoped the end of the war could be a gigantic relief, but not an elation. In the joyousness of high spirits it is easy for us to forget the dead. Those who are gone would not wish themselves to be a millstone of gloom around our necks.
But there are many of the living who have had burned into their brains forever the unnatural sight of cold dead men scattered over the hillsides and in the ditches along the high rows of hedge throughout the world.
Dead men by mass production – in one country after another – month after month and year after year.
Dead men in winter and dead men in summer.
Dead men in such familiar promiscuity that they become monotonous.
Dead men in such monstrous infinity that you come almost to hate them.
These are the things that you at home need not even try to understand. To you at home they are columns of figures, or he is a near one who went away and just didn’t come back. You didn’t see him lying so grotesque and pasty beside the gravel road in France. We saw him, saw him by the multiple thousands. That’s the difference.” 
Soldat am Grab von Ernie Pyle auf Ie Shima
Grab von Ernie Pyle auf Okinawa
Ernie Pyle wird zusammen mit seinem Helm in einer langen Reihe mit anderen gefallenen Soldaten beerdigt, anstelle des einfachen Kreuzes entsteht ein größeres Denkmal, das auch nach der Rückgabe der Insel an die Japaner dort stehen bleibt.

Ernie Pyle Monument Ie Shima (1945)

Amerika nimmt großen Anteil. Die amerikanische Presse berichtet auf ihren Titelblättern vom Tode Ernie Pyles. Präsident Truman und die Generäle George C. Marshall, Dwight D. Eisenhower und Mark W. Clark veröffentlichen Statements, in denen sie Pyle und seine Arbeit würdigen.




Am 18. Juni 1945 kommt der Film “The Story of G.I. Joe” in die Kinos.

Pyles Frau Jerry stirbt sieben Monate nach Ernie am 23. November 1945.

Die Stadt Albuquerque erwirbt 1948 das ehemalige Haus der Pyles und errichtet darin eine Bibliothek mit den Arbeiten und Briefen und eine Ausstellung mit Gegenständen aus Ernie Pyles Nachlass.

Pyles Geburtshaus in Dana war jahrelang von der Schließung bedroht, nachdem der Staat Indiana die finanzielle Förderung eingestellt hatte. Mittlerweile gibt es einen Förderkreis, der das Haus als Museum am Wochenende öffnet.

Seit 1949 befindet sich das Grab von Ernie Pyle auf dem National Memorial Cemetery of the Pacific in Honolulu (Hawaii).



Bücher von Ernie Pyle: 

Ernie Pyle in England (1941)
Here’s Your War (1943)
Brave Men (1944)
The Last Chapter (1946)
Home Country (1947).


Trivia 

Der lange und freundschaftliche Briefwechsel zwischen Ernie Pyle und dem Zippo-Hersteller George Blaisdell führte dazu, dass Blaisdell nach dem Tod von Ernie Zippo-Feuerzeuge (es sollen 600 Stück gewesen sein) an den Kapitän der USS Cabot schickte, um sie an die Mannschaft zu verteilen.



Im Mai 1971 erschien in den USA eine 16 ct Briefmarke in Gedenken an Ernie Pyle.


King & Country brachten eine Figur im Maßstab 1:30 heraus (die mittlerweile nicht mehr produziert wird).


Charles M. Schulz widmete dem Andenken an Ernie Pyle zwei seiner Peanuts-Comicstrips zum Veterans Day 1997 und 1999.





Links: 
Ernie Pyle’s Wartime Colums
Ernie Pyle Library, Albuquerque, NM
Ernie Pyle WW2 Museum, Dana, IN (The Friends of Ernie Pyle)
Wikimedia related to Ernie Pyle

Quellen: 
Boomhower, Ray E.: The Soldier’s Friend. A Life of Ernie Pyle. Indianapolis 2006. Reprint 2011
Zippocollector.com
Zippo in the War
King & Country
Columnist.com
USS LSM-87
Eines Tages - Zeitgeschichten auf SPIEGEL-ONLINE